Fragen und Antworten zu Spuren der gentechnisch veränderten Reissorte LL 601 in Langkornreis

FAQ vom 19. September 2006

In Deutschland und anderen Ländern der Europäischen Union sind in Reisproben aus dem
Handel Spuren der in Europa und den USA nicht zugelassenen gentechnisch veränderten
Reissorte LL 601 nachgewiesen worden. Der verunreinigte Reis ist in Europa nicht verkehrsfähig.
Nach Einschätzung der zuständigen Behörden in Europa und den USA ist eine Gefahr
für die Gesundheit des Verbrauchers nicht gegeben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung
(BfR) hat wegen zahlreicher Anfragen der Medien Fragen und Antworten zu einem möglichen
gesundheitlichen Risiko des verunreinigten Reises zusammengestellt.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Genreis"?
Der Begriff "Genreis" ist insofern nicht korrekt, als jeder Reis genetisches Material enthält.
Korrekt wäre der Begriff "gentechnisch veränderter Reis".

Was ist in Proben von Reis aus deutschen Verbrauchermärkten festgestellt worden?
In Deutschland und in anderen Ländern der Europäischen Union sind in Proben von konventionell
gezüchtetem Reis Verunreinigungen mit der gentechnisch veränderten Reissorte LL
601 festgestellt worden. Erste Untersuchungen der für die Lebensmittel zuständigen amtlichen
überwachungsbehörden der Länder haben ergeben, dass der Anteil dieser nicht zugelassenen
Reissorte in den Proben unter 0,05 Prozent liegt. Auf der Grundlage dieser Daten
beträgt die Verunreinigung weniger als 5 Reiskörner von LL 601 auf 10.000 Körner von konventionell
erzeugtem Reis.

Da der gentechnisch veränderte Reis nicht zugelassen ist, ist der damit verunreinigte Reis in
der Europäischen Union nicht verkehrsfähig. Auch Spuren von diesem Reis dürfen daher in
Lebensmitteln nicht vorkommen.

Was ist LL 601 Reis?
Der Reis LL 601 unterscheidet sich von konventionellem Reis durch ein zusätzliches Gen,
das die gentechnisch veränderte Reispflanze widerstandsfähig gegen den herbiziden Wirkstoff
Glufonisat macht. Dieses Gen stammt aus einem Bakterium, das in der Umwelt vorkommt.
Glufosinat ist Bestandteil bestimmter herbizider Pflanzenschutzmittel, die in der
Landwirtschaft gegen konkurrierende Wildkräuter eingesetzt werden.

Wie schützt sich die gentechnisch veränderte Pflanze gegen das Pflanzenschutzmittel?
Glufosinat hemmt in Pflanzen ein Enzym (Glutaminsynthethase), das den für die Pflanze
giftigen Ammoniak in eine ungiftige Substanz umwandelt. Ammoniak wird von der Pflanze
beim Stoffwechsel auf natürlichem Weg gebildet und muss abgebaut werden. Geschieht dies
nicht, kommt es zu einer Ammoniakvergiftung der Zelle, und die Pflanze stirbt ab. Das durch
die gentechnische Veränderung in der Pflanze gebildete Enzym Phosphinotrizin-Acetyl-
Transferase (PAT) sorgt dafür, dass Glufosinat von der Pflanze zu Acetyl-Glufosinat umgewandelt
wird. Acetyl-Glufosinat hemmt das Enzym Glutaminsynthethase nicht, so dass der
Abbau von Ammoniak weiter in ausreichendem Maß stattfinden kann.

Warum ist der Reis LL 601 in Europa und den USA nicht zugelassen?
Für den gentechnisch veränderten Reis LL 601 wurde weder in den USA noch in der Europäischen
Union eine Zulassung beantragt. Es handelt sich um eine Sorte, die im Zuge der
Forschung zu herbizidresistenten Reissorten entwickelt und in Freilandversuchen getestet
wurde. Eine Sorte mit einer ähnlichen gentechnischen Veränderung, Reis LL 62, wurde in
den USA bereits zugelassen. In der Europäischen Union (EU) wurde die Zulassung für diesen
Reis beantragt. Das Zulassungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Ist der Reis LL 601 für den Menschen gefährlich?
Nachdem bekannt wurde, dass in den USA konventioneller Reis mit Reis LL 601 verunreinigt
wurde, hat die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA eine Risikobewertung vorgenommen.
Die FDA kam in ihrer Einschätzung zu dem Schluss, dass nach den vorliegenden Daten
keine Gefährdung der Gesundheit vorliegt. Das aufgrund der gentechnischen Veränderung
von den Pflanzen gebildete Enzym PAT ist in anderen, bereits zugelassenen Pflanzen
enthalten und stellt nach Auffassung der FDA keine Gefahr für den Verbraucher dar.

Für eine Zulassung in der EU müssen die Antragsteller durch umfangreiche wissenschaftliche
Studien belegen, dass der Reis gesundheitlich unbedenklich ist. Die Europäische Behörde
für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellt zwar fest, dass die von der Firma bisher vorgelegten
Daten für eine Sicherheitsbewertung nach dem in der EU üblichen Standard nicht
ausreichen. Auf der Grundlage der Informationen zur gentechnischen Veränderung, zur Zusammensetzung
der Inhaltsstoffe sowie der Kenntnisse zur Sicherheit von PAT-Proteinen
hält es die EFSA aber für unwahrscheinlich, dass der Verzehr von importiertem Langkornreis,
der Spuren der gentechnisch veränderten Reissorte LL 601 enthält, eine Gefahr für die
Gesundheit des Verbrauchers darstellt.

Wie gefährlich ist Glufosinat bzw. das Umbauprodukt Acetyl-Glufosinat im Reis?
Glufosinat ist ein auch in Deutschland und Europa zugelassener Wirkstoff für Pflanzenschutzmittel
zum Einsatz in gentechnisch veränderten Nutzpflanzen wie Raps, Sojabohnen,
Mais und Zuckerrüben. Bei der Zulassung von Glufosinat in den genannten Pflanzen wurde
das gesundheitliche Risiko für den Menschen abgeschätzt, und es wurden entsprechende
Höchstmengen für den Wirkstoff und seine Ab- und Umbauprodukte festgesetzt. Auch das
von den gentechnisch veränderten Pflanzen gebildete Acetyl-Glufosinat wurde in diesem
Zusammenhang bewertet. Werden die festgesetzten Rückstandshöchstmengen eingehalten,
geht nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnis kein gesundheitliches Risiko von den Lebensmitteln
für den Verbraucher aus. Nur Lebensmittel, die die Rückstandshöchstmengen
einhalten, dürfen in Deutschland und der Europäischen Union verkauft werden.

Für Reis erfolgte eine solche Bewertung in Deutschland bisher nicht. Da in der Europäischen
Union kein gentechnisch veränderter Reis zugelassen ist, sind für derartigen Reis auch keine
Höchstmengen für Glufosinat und Acetyl-Glufosinat festgesetzt worden. Gentechnisch veränderter
Reis ist demzufolge zur Zeit nicht verkehrsfähig.

Weitere Informationen:
Statement der amerikanischen Arzneimittel- und Lebensmittelbehörde FDA zu Verunreinigungen
mit LL 601
http://www.cfsan.fda.gov/~lrd/biorice.html

Pressedienst der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA vom 15. September 2006:
EFSA’s GMO Panel provides reply to European Commission request on GM rice LLRICE601
http://www.efsa.europa.eu/de/press_room/press_release/llrice601.html

Statement of the Scientific Panel on Genetically Modified Organisms in response to the request
of the European Commission on inadvertent presence of genetically modified rice
LLRICE601
http://www.efsa.europa.eu/de/science/gmo/statements0/efsa_statement_gmo_LLrice601.html

<< zurück zur Übersicht